Nach den turbulenten Tagen rund um die partielle Mondfinsternis vom 28. August verändert sich das Bild zum Monatsende deutlich. Die Sonne ist nicht völlig ruhig, die Erde befindet sich seismisch weiterhin in Bewegung und auch die Schumann-Diagramme zeigen Aktivität – aber die einzelnen Systeme laufen heute nicht mehr gemeinsam auf „laut“. Genau das macht den […]
Nach den turbulenten Tagen rund um die partielle Mondfinsternis vom 28. August verändert sich das Bild zum Monatsende deutlich. Die Sonne ist nicht völlig ruhig, die Erde befindet sich seismisch weiterhin in Bewegung und auch die Schumann-Diagramme zeigen Aktivität – aber die einzelnen Systeme laufen heute nicht mehr gemeinsam auf „laut“.
Genau das macht den 31. August 2026 interessant: Nach dem Höhepunkt kommt keine weitere Eskalation, sondern eher eine Art Ausschwingen.
Kosmisches Wetter: Die Brücke vom 27.–30. August
Im letzten Beitrag hatten wir auf ein ungewöhnlich dichtes Zeitfenster geschaut: die partielle Mondfinsternis am 28. August, mehrere aktive Sonnenregionen, vorhergehende M-Flares und die Möglichkeit einer deutlich unruhigeren Magnetosphäre.
Und tatsächlich war die Prognose für den 28. und 29. August zunächst wesentlich kräftiger als das, was wir jetzt am 31. August sehen. NOAA hatte am 27. August für den Zeitraum 28.–30. August noch Bedingungen bis hin zu stärkeren geomagnetischen Sturmphasen für möglich gehalten. Für mittlere Breiten lag die Wahrscheinlichkeit stärkerer Aktivität am 28. August deutlich erhöht.
Danach verschob sich das Bild.
Am 29. August war die solare Flare-Aktivität bereits sehr niedrig. Die große Region 4517 näherte sich dem westlichen Sonnenrand und die übrigen sichtbaren Regionen waren überwiegend magnetisch vergleichsweise einfach aufgebaut.
Das ist wichtig für unseren fortlaufenden Vergleich: Die Phase um die Finsternis war tatsächlich dynamisch, aber sie entwickelte sich nicht einfach linear weiter.
Heute sehen wir eher die Gegenbewegung.
31. August: Die Sonne wirkt deutlich ruhiger
Dein aktueller Screenshot zeigt fünf relevante Sonnenfleckenregionen: 4513, 4515, 4517, 4518 und 4520.
Der aktuelle Röntgenfluss liegt im Bereich um B6, während in den vergangenen 24 Stunden noch C-Klasse-Aktivität registriert wurde. Das passt gut zum aktuellen offiziellen Lagebild: NOAA beschreibt die Sonnenaktivität zuletzt als niedrig und sieht zwar weiterhin die Möglichkeit einzelner M-Flares, erwartet aber mit dem Verschwinden von Region 4517 hinter dem Sonnenrand eine sinkende Aktivität.
Auch ein wichtiger Unterschied zu den Tagen unmittelbar vor der Mondfinsternis fällt auf: In den zuletzt ausgewerteten Koronographenbildern wurden keine neuen erdgerichteten CMEs festgestellt.
Das bedeutet nicht, dass auf der Sonne „nichts passiert“. Es bedeutet vielmehr: Der direkte Druck auf die Erde lässt momentan nach.
Kp 3: Die Magnetosphäre kommt herunter
Für den 31. August werden überwiegend Kp-Werte zwischen ungefähr 0,7 und 2 erwartet. Auch für den 1. September sieht NOAA derzeit keine geomagnetische Sturmphase. Ein G1-Sturm oder stärker wird in dieser Prognose ausdrücklich nicht erwartet.
Damit entsteht eine klare Kurve:
25.–28. August: Aufbau und starke Sonnenaktivität → 28.–30. August: Finsternis und geomagnetisch unruhigeres Zeitfenster → 31. August: Abklingen.
Das ist wesentlich interessanter als die Vorstellung einer permanent steigenden „kosmischen Energie“. Die Messwerte verhalten sich eher wie Wetter: Eine Front baut sich auf, zieht durch und dahinter verändert sich die Luft.
Und dann ist da die Schumann-Messung
Hier wird das Bild komplizierter.
Während die Magnetosphäre heute vergleichsweise ruhig ist, zeigt dein Tomsk-Spektrogramm weiterhin deutlich sichtbare Aktivitätsbereiche. Auf der von dir verwendeten Darstellung wird eine Amplitude von 60 angezeigt.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum wir Schumann-Resonanz und geomagnetischen Kp-Index nicht in einen Topf werfen sollten.
Kp beschreibt geomagnetische Störungen. Ein Schumann-Spektrogramm erfasst elektromagnetische Signale im extrem niedrigen Frequenzbereich. Farbe und Helligkeit eines solchen Spektrogramms sind zudem nicht einfach eine Anzeige dafür, dass sich die fundamentale Schumann-Frequenz „erhöht“ hätte.
Heute haben wir also bildlich gesprochen zwei Instrumente im selben Orchester:
Die Magnetosphäre spielt leise – während im Schumann-Spektrogramm noch deutlich etwas zu sehen ist.
Gerade diese Unterschiede sind für unsere Langzeitbeobachtung wertvoll.
Die Erde bleibt seismisch in Bewegung
Auch seismisch ist der 31. August keineswegs ereignislos.
Nach deinen aktuellen VolcanoDiscovery-Daten war das stärkste Ereignis der vergangenen 24 Stunden ein Erdbeben der Magnitude 5,8 bei den Kermadec Islands nahe Neuseeland.
Hinzu kommt ein M4,9 nahe Union auf den Philippinen, das gespürt wurde, sowie ein M4,7 im Raum Peru/Chile.
Damit setzt sich das Muster fort, das wir während des August immer wieder gesehen haben: Die großen Plattengrenzen des Pazifikraums bleiben aktiv.
Aber auch hier gilt: Ein einzelnes M5,8 ist noch kein Beleg für eine außergewöhnliche globale seismische Phase – und erst recht kein Beweis dafür, dass Sonnenaktivität, Mondfinsternis oder Schumann-Messungen dieses Erdbeben ausgelöst hätten.
Genau deshalb lohnt unser fortlaufendes Tagebuch: Wir vergleichen nicht nur die Treffer, sondern auch die Tage, an denen die Systeme nicht parallel laufen.
So könnten sich diese Tage anfühlen
Auf der subjektiven Ebene könnte das aktuelle Bild interessanterweise eher zu einem „Nachher“ passen als zu einem weiteren Höhepunkt.
Nach mehreren Tagen voller Reize, Spannung und Erwartung kann Ruhe selbst zunächst merkwürdig wirken. Manche Menschen beschreiben solche Übergänge als Müdigkeit, einen erhöhten Schlafbedarf, Konzentrationsschwankungen, innere Leere oder das Bedürfnis, sich zurückzuziehen. Andere erleben gerade das Gegenteil und fühlen sich plötzlich klarer.
Ich halte es weiterhin für sinnvoll, mögliche Zusammenhänge zwischen kosmischen beziehungsweise geomagnetischen Bedingungen und dem eigenen Befinden offen zu beobachten, statt sie grundsätzlich auszuschließen oder automatisch vorauszusetzen.
Gerade heute bietet sich dafür ein interessanter Vergleichstag an: geomagnetisch relativ ruhig, aber gleichzeitig auffällige Strukturen in den Schumann-Darstellungen.
Wer etwas wahrnimmt, kann deshalb notieren: Wann begann es? Wie habe ich geschlafen? Wie war meine Stimmung? Und wie sahen die Messwerte tatsächlich zu diesem Zeitpunkt aus?
Erst aus vielen solchen Tagen entsteht ein brauchbares persönliches Muster.
Vorschau: 31. August bis 2. September
Für die kommenden zwei bis drei Tage deutet momentan vieles auf eine ruhigere geomagnetische Phase hin.
NOAA erwartet für den 31. August und 1. September überwiegend ruhige Bedingungen. Auch der Sonnenwind soll sich nach den Einflüssen des koronalen Lochs und der früheren CMEs wieder stärker normalen Bedingungen annähern.
Auf der Sonne bleibt dennoch ein kleines Fragezeichen. Für den 31. August besteht laut NOAA noch eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit für R1–R2-Radio-Blackouts durch entsprechende Flares; für den 1. September sinkt sie in der aktuellen Prognose auf 10 Prozent. Ein größerer R3-Blackout wird jeweils nur mit 1 Prozent angegeben.
Damit würde ich für die nächsten Tage nicht „nichts passiert“ schreiben, sondern:
Die große Welle scheint zunächst durch zu sein – jetzt beobachten wir, was zurückbleibt und ob die Sonne tatsächlich ruhig bleibt.
Parallel nimmt der Mond nach dem Vollmond und der Finsternis wieder ab. Die von dir angegebenen 90 Prozent Beleuchtung passen zu dieser Phase.
Das Bild für den Übergang in den September ist deshalb fast wie nach einem Sommergewitter: Die Straße ist noch nass, irgendwo tropft es von den Bäumen, aber am Horizont wird es bereits heller.
Fazit: Der August endet anders, als er begonnen hat
Der 31. August liefert uns einen wichtigen Gegenpol zu den vergangenen Tagen. Die Sonnenaktivität ist zurückgegangen, die Magnetosphäre beruhigt sich, während die Schumann-Darstellungen weiterhin Bewegung zeigen und der Pazifik seismisch aktiv bleibt.
Gerade deshalb ist dieser Tag für unser Kosmisches Wetter wertvoll.
Wir suchen nicht danach, jeden Ausschlag miteinander zu verbinden. Wir schauen, wann Systeme gemeinsam reagieren – und wann sie auseinanderlaufen. Gleichzeitig dürfen persönliche Wahrnehmungen Teil dieser Beobachtung bleiben.
Der August endet damit nicht mit einem weiteren Knall.
Er endet eher mit einem Echo.
Und jetzt wird interessant, ob der September dieses Echo langsam auslaufen lässt – oder ob sich bereits die nächste Welle aufbaut.
Aktuelle Weltraumwetterdaten: SpaceWeatherLive und NOAA Space Weather Prediction Center. Die aktuelle NOAA-Lage unterstützt momentan eher das ruhigere Szenario.
