Kosmisches Wetter 25. September 2026: Vor zwei Tagen starteten wir unsere Beobachtung an einem ungewöhnlich ruhigen Punkt: Kp 0, langsamer Sonnenwind und Cumiana A1 4,7. Gleichzeitig kündigten die Prognosen einen neuen High-Speed-Stream und für den 24. September sogar mögliche G1-Bedingungen an.

Heute können wir überprüfen, was daraus geworden ist.

Der schnelle Sonnenwind aus dem koronalen Loch CH159 ist tatsächlich bei der Erde angekommen. Das interplanetare Magnetfeld verstärkte sich deutlich und Bz fiel zeitweise bis etwa −13 nT. Das Erdmagnetfeld reagierte – allerdings weniger stark als zunächst möglich erschien.

Und Cumiana? Dort sehen wir heute Kp 2,0 bei A1 8,5.

Damit ist die von uns beobachtete A1-Amplitude seit dem 23. September wieder deutlich angestiegen.

Kosmisches Wetter 25. September 2026: Die Prognose traf teilweise ein

Im letzten Artikel hatten wir einen ausgesprochen günstigen Ausgangspunkt.

Am Morgen des 23. September standen wir bei:

Kp 0,0 · Cumiana A1 4,7 · langsamer Sonnenwind um 310–325 km/s.

Für die folgenden Stunden wurde das Eintreffen eines positiv gepolten Coronal-Hole-High-Speed-Streams erwartet. Für den 24. September hielt NOAA sogar einzelne Perioden mit G1 – Minor Storm für wahrscheinlich.

Der High-Speed-Stream kam tatsächlich.

SIDC bestätigt inzwischen, dass der Sonnenwind unter den Einfluss des High-Speed-Streams von Coronal Hole 159 geraten ist. Die Geschwindigkeit bewegte sich zunächst zwischen etwa 280 und 412 km/s. Gleichzeitig stieg Bt, die Gesamtstärke des interplanetaren Magnetfeldes, auf bis zu 15 nT. Besonders interessant war Bz: Die Nord-Süd-Komponente fiel zeitweise bis ungefähr −13 nT.

Das war durchaus eine Konstellation, bei der eine stärkere geomagnetische Reaktion möglich gewesen wäre.

Doch genau hier wird unsere Beobachtung wieder interessant.

Der angekündigte G1-Sturm entwickelte sich nicht wie erwartet

NOAA hatte für den 24. September einzelne G1-Perioden für wahrscheinlich gehalten. Die tatsächlich beobachtete geomagnetische Aktivität blieb jedoch darunter beziehungsweise erreichte überwiegend nur unruhige bis aktive Bedingungen.

Der höchste beobachtete 3-Stunden-Kp lag bei 4 – also noch unterhalb der formalen G1-Schwelle Kp 5. Die NOAA-Prognose hatte zeitweise bis 4,67 beziehungsweise als G1 klassifizierte Bedingungen vorgesehen.

Damit haben wir innerhalb weniger Wochen schon zum zweiten Mal eine ähnliche Situation:

Mitte September sahen wir kurzfristig fast 800 km/s Sonnenwind, ohne dass daraus der größere geomagnetische Sturm entstand.

Jetzt traf CH159 ein, Bt stieg deutlich und Bz erreichte ungefähr −13 nT – trotzdem blieb die Reaktion bislang moderater als das mögliche G1-Szenario.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum eine Weltraumwetterprognose eben eine Prognose und keine Vorhersage mit Garantie ist.

Entscheidend ist nicht nur, wie schnell der Sonnenwind wird. Dauer, Magnetfeldstärke und vor allem die zeitliche Entwicklung von Bz bestimmen mit, wie effektiv Energie in die Magnetosphäre übertragen wird.

Aktuelle Messwerte können direkt beim NOAA Space Weather Prediction Center und beim Solar Influences Data and Analysis Centre (SIDC) verfolgt werden.

Cumiana reagiert wieder deutlich

Und jetzt kommt der für unsere eigene Zeitreihe besonders interessante Teil.

Am 20. September hatten wir noch:

Kp 1,0 · A1 10,4

Am 23. September, unmittelbar vor dem erwarteten High-Speed-Stream:

Kp 0,0 · A1 4,7

Heute Morgen zeigt deine aktuelle Aufnahme:

Kp 2,0 · A1 8,5 · Sturmstatus RUHIG

Damit ist A1 innerhalb von zwei Tagen von 4,7 auf 8,5 gestiegen.

Auch im Cumiana-Spektrogramm sehen wir wieder Veränderungen. Das 24-Stunden-Bild bleibt über große Bereiche relativ dunkel und gleichmäßig, zeigt jedoch mehrere schmale vertikale Intensitätsstrukturen. Im Detail sind die Resonanzbänder deutlich sichtbar und abschnittsweise verstärkt.

Verglichen mit unserem Bild vom 23. September ist die Veränderung damit nicht nur an A1 abzulesen.

Das ist für unsere Chronik interessant, weil wir diesmal den Zustand vorher dokumentiert hatten.

Am 23. September hatten wir ausdrücklich festgehalten: Kp 0, A1 4,7 und langsamer Sonnenwind – jetzt warten wir darauf, was geschieht, wenn CH159 eintrifft.

Nun ist CH159 angekommen.

Bt und Bz haben reagiert, die geomagnetische Aktivität nahm moderat zu – und gleichzeitig stieg die von uns beobachtete Cumiana-Amplitude auf A1 8,5.

Das ist eine zeitliche Übereinstimmung, die in unsere Zeitreihe gehört. Ob zwischen diesen Entwicklungen ein direkter Zusammenhang besteht, lässt sich daraus noch nicht bestimmen.

Die aktuelle Darstellung findest du weiterhin bei Herzschlag der Erde – Live-Daten.

Die Sonne selbst bleibt vergleichsweise ruhig

Während sich zwischen Sonne und Erde einiges bewegt hat, ist die eigentliche Sonnenaktivität weiterhin überschaubar.

SIDC registrierte zuletzt acht nummerierte Sonnenfleckengruppen. AR4535 und AR4538 produzierten C-Flares; der stärkste registrierte Flare erreichte lediglich C1.5 und hatte sein Maximum am 24. September um 09:03 UTC. Für die weitere Entwicklung werden C-Flares als sehr wahrscheinlich eingeschätzt, daneben besteht eine Chance auf M-Flares.

Noch wichtiger für unsere unmittelbare Lage:

SIDC meldete innerhalb des ausgewerteten 24-Stunden-Zeitraums keinen neuen erdgerichteten CME. Auch der >10-MeV-Protonenfluss blieb auf Hintergrundniveau.

Die aktuelle Veränderung des Weltraumwetters stammt also nicht von einem neuen großen Sonnenausbruch, sondern vom High-Speed-Stream des koronalen Lochs.

Was wir beim Befinden weiter beobachten

Parallel zu den physikalischen Messreihen führen wir weiterhin unsere Beobachtung des körperlichen und psychischen Befindens fort.

Über die vergangenen Wochen tauchten wiederholt Phasen mit Kopfdruck und Kopfschmerzen, Erschöpfung, innerer Anspannung, Konzentrationsschwierigkeiten, Kreislaufempfindlichkeit sowie erhöhter Reizbarkeit oder Überstimulation auf. Auch beim Schlaf ergab sich bislang kein einheitliches Muster.

Gerade der aktuelle Zeitraum ist deshalb interessant, weil wir diesmal eine Veränderung des Weltraumwetters von einem sehr ruhigen Ausgangspunkt aus verfolgen konnten.

Am 23. September hatten wir langsamen Sonnenwind, Kp 0 und Cumiana A1 4,7. Danach traf der High-Speed-Stream ein, Bt verstärkte sich, Bz wurde zeitweise deutlich negativ und die geomagnetische Aktivität nahm zu. Gleichzeitig stieg Cumiana auf A1 8,5.

Für unsere weitere Beobachtung ist deshalb nicht entscheidend, ob an einem einzelnen Tag bestimmte Wahrnehmungen auftreten. Interessanter ist, ob sich über eine längere Zeitreihe wiederkehrende zeitliche Abfolgen zwischen Übergangsphasen im gemessenen Umfeld und Veränderungen des Befindens erkennen lassen.

Deshalb bleibt das Befinden auch weiterhin eine eigene Ebene unserer Chronik – neben Sonnenwind, Erdmagnetfeld, Cumiana und Seismik.

Seismik: Zwei M5,3-Ereignisse fallen auf

Auch die Seismik ist seit unserem letzten Artikel wieder etwas interessanter geworden.

Innerhalb der von dir erfassten vergangenen 24 Stunden liegt das stärkste aktuelle Ereignis bei M5,3 nordöstlich von Lae in Papua-Neuguinea.

Hinzu kommt ein weiteres M5,3 in der Türkei, das großräumig wahrgenommen wurde. USGS führt das türkische Ereignis vom 24. September um 07:40 UTC mit M5,3 süd-südwestlich von Hilvan; beim USGS gingen dazu mehrere Wahrnehmungsmeldungen ein.

Als jüngstes Ereignis deiner aktuellen Übersicht erscheint außerdem ein M4,5 südlich von Gorontalo in Indonesien.

Wir sehen damit eine aktivere Magnitudenspanne als noch am 23. September, als M5,1 das stärkste Ereignis unseres 24-Stunden-Fensters war.

Von einer außergewöhnlichen globalen Großbebenserie lässt sich anhand dieser Daten jedoch weiterhin nicht sprechen. Zwei Ereignisse um M5,3 sind global betrachtet keine ungewöhnliche Situation.

Die laufenden Daten können im USGS Earthquake Catalog überprüft werden. USGS bestätigt für das türkische Ereignis auch die eingegangenen Wahrnehmungsmeldungen.

Unsere Zeitreihe bekommt langsam Struktur

Wenn wir die vergangenen Tage nebeneinanderstellen, wird der Verlauf deutlich:

20. September: Kp 1 · Cumiana A1 10,4
23. September: Kp 0 · Cumiana A1 4,7 · langsamer Sonnenwind
23./24. September: CH159 erreicht die Erde · Bt bis 15 nT · Bz bis etwa −13 nT
24. September: geomagnetische Aktivität bis Kp 4
25. September morgens: Kp 2 · Cumiana A1 8,5

Genau deshalb war der ruhige Ausgangspunkt vom 23. September so wertvoll.

Wir mussten diesmal nicht nachträglich rekonstruieren, wie das System vor dem High-Speed-Stream aussah.

Wir hatten es dokumentiert.

Und jetzt können wir tatsächlich sagen: Nach dem Eintreffen des HSS stieg die Cumiana-A1-Anzeige von 4,7 auf 8,5, während die geomagnetische Aktivität vorübergehend zunahm.

Das ist noch kein Beweis für eine kausale Beziehung.

Aber es ist genau die Art von zeitlicher Abfolge, nach der wir mit dieser Chronik suchen.

Vorschau auf den 26. September: Der Einfluss bleibt noch bestehen

Der High-Speed-Stream verschwindet nicht schlagartig.

Nach der aktuellen NOAA-Prognose sollen die erhöhten Sonnenwindbedingungen zunächst anhalten. Für den 25. und 26. September werden weiterhin unruhige bis zeitweise aktive geomagnetische Bedingungen erwartet, während der Einfluss des koronalen Lochs langsam nachlässt.

Für den 26. September lagen die prognostizierten Kp-Werte überwiegend ungefähr zwischen 2 und 3,7.

Das spricht momentan eher für ein langsames Ausschwingen als für eine weitere Eskalation.

Interessant wird deshalb erneut Cumiana.

Wenn A1 heute bei 8,5 liegt und der High-Speed-Stream morgen langsam schwächer wird, können wir beobachten, ob die Amplitude ebenfalls zurückgeht – oder ihren eigenen Verlauf nimmt.

Vorschau auf den 27. September: zurück Richtung Hintergrund?

Für den zweiten Tag unserer Vorschau wird die Unsicherheit naturgemäß größer.

Die derzeitige Entwicklung spricht jedoch dafür, dass der Einfluss von CH159 im Laufe des 26. September zunehmend abklingt. SIDC erwartet bereits für den 26. September einen niedrigeren Ap-Wert als an den beiden vorausgehenden Tagen: Die Prognose sinkt von Ap 14 am 24. über Ap 13 am 25. auf Ap 10 am 26. September.

Sofern kein neuer CME oder eine andere Störung hinzukommt, wäre für den 27. September deshalb eine weitere Rückkehr in Richtung ruhigerer Hintergrundbedingungen plausibel. Das ist eine Ableitung aus dem derzeit erwarteten Abklingen des HSS – noch keine belastbare Tagesprognose.

Auf der Sonne bleibt gleichzeitig die Möglichkeit einzelner C-Flares bestehen; auch M-Flares sind nicht ausgeschlossen. SIDC meldete zuletzt jedoch keinen erdgerichteten CME, der momentan eine neue größere geomagnetische Episode erwarten ließe.

Damit haben wir für die nächsten beiden Tage eine klare Beobachtungsfrage:

Klingt CH159 tatsächlich aus – und geht Cumiana von A1 8,5 wieder mit zurück?

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Vor zwei Tagen endete unser Artikel mit dem Satz: Nun warten wir auf den Sonnenwind.

Heute ist er da.

Der High-Speed-Stream von CH159 erreichte die Erde. Die Sonnenwindparameter veränderten sich. Bt stieg bis etwa 15 nT, Bz fiel zeitweise auf ungefähr −13 nT und das Erdmagnetfeld reagierte bis in den aktiven Bereich.

Der mögliche G1-Sturm entwickelte sich bislang jedoch nicht in der prognostizierten Stärke.

Gleichzeitig stieg Cumiana von A1 4,7 auf 8,5.

Die weltweite Seismik zeigt mehrere moderate Ereignisse bis M5,3, aber keine außergewöhnliche Serie großer Erdbeben.

Damit haben wir wieder ein vollständiges Stück unserer Zeitreihe:

Ruhe → Eintreffen des Sonnenwinds → Veränderung von Bt/Bz → moderate geomagnetische Reaktion → Veränderung in Cumiana → weitere Beobachtung von Seismik und Befinden.

Nun kommt die zweite Hälfte des Experiments.

Das Abklingen.

Wenn wir am 26. und 27. September dieselben Parameter erneut betrachten, sehen wir nicht nur, wie das System auf einen Impuls reagiert.

Wir sehen erstmals auch genauer, wie es wieder in die Ruhe zurückkehrt.

Beobachten. Dokumentieren. Vergleichen.

Sonne. Erdmagnetfeld. Cumiana. Seismik. Und wir mittendrin.