Kosmisches Wetter überrascht: Kp5 erreicht – stärker als erwarte

Kosmisches Wetter: Gestern hatten wir an dieser Stelle eine konkrete Prognose festgehalten: Nach dem Anstieg von nahezu Kp0 auf Kp4 erwartete ich für die nächsten Tage überwiegend ruhige bis unruhige Bedingungen im Bereich von etwa Kp2 bis Kp4. Ein geomagnetischer Sturm war möglich, aber nicht mein Basisszenario.

Heute Morgen wissen wir: Diese Einschätzung war zu niedrig angesetzt.

Der Kp-Index hat die Schwelle von 5 erreicht. Damit befinden wir uns zumindest zeitweise in einem G1-Ereignis – der niedrigsten Stufe eines geomagnetischen Sturms.

Das ist keine extreme Weltraumwetterlage. Aber es ist eine klare Veränderung gegenüber den vergangenen Tagen – und genau deshalb bekommt unsere kleine Zeitreihe inzwischen eine interessante Dynamik.

Von Kp0+ über Kp4 zu Kp5

Schauen wir noch einmal zurück.

Am 16. August lag der Kp-Index nahezu bei null. Für den 17. und 18. August erwarteten wir einen Anstieg bis ungefähr Kp4. Diese erste Prognose traf sehr gut: Kp4 wurde tatsächlich erreicht.

Gestern ging ich davon aus, dass dieses Niveau wahrscheinlich die Oberkante der nächsten Tage bleiben würde.

Heute kam der nächste Schritt: Kp5.

Dein aktueller Screenshot von SpaceWeatherLive zeigt außerdem eine Sonnenwindgeschwindigkeit von rund 579 km/s und einen Dst-Wert um −54 nT. Der Sonnenwind ist damit erheblich schneller als noch am 16. August, als wir rund 306 km/s gesehen hatten.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Auch aktuelle Berichte auf Basis der NOAA-Prognosen sehen für den 19. August Kp5 beziehungsweise G1-Bedingungen und anschließend wieder eine Abschwächung vor.

Was hat den Sturm ausgelöst?

Hier können wir inzwischen mehr sagen als gestern.

Eine koronale Massenauswurf-Komponente – ein CME – hat die Erde erreicht. Aktuelle Weltraumwetterberichte führen die G1-Bedingungen auf Material eines Sonnenereignisses vom 14. August zurück. Die Ankunft erfolgte später als ursprünglich erwartet.

Das erklärt auch, warum die gestrige Momentaufnahme allein das kommende Maximum unterschätzt hat.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie Weltraumwetter funktioniert: Man sieht nicht unbedingt einen gewaltigen Flare auf der Sonne und unmittelbar danach einen Sturm auf der Erde.

Ein CME ist eher wie eine Welle, die bereits weit draußen unterwegs ist. Wenn sie schließlich an der Magnetosphäre ankommt, kann sich die Situation innerhalb relativ kurzer Zeit verändern.

Genau das scheint hier passiert zu sein.

Die Sonne selbst bleibt vergleichsweise moderat

Interessanterweise sehen wir gleichzeitig keine außergewöhnliche Flare-Eskalation.

Deine aktuellen Daten zeigen für die vergangenen zwei Stunden einen maximalen Röntgenfluss von C5.08.

Damit bleibt die unmittelbare Flare-Aktivität im C-Bereich.

Das macht die aktuelle Situation anschaulich: Der geomagnetische Sturm erzählt uns nicht nur, was die Sonne gerade in diesem Moment macht, sondern auch, was sie vor einigen Tagen in Richtung Erde geschickt hat.

Deshalb müssen wir künftig noch stärker zwischen aktueller Sonnenaktivität und bereits unterwegs befindlichen Sonnenwind- beziehungsweise CME-Strukturen unterscheiden.

Und dann ist da wieder Cumiana

Hier hat sich seit gestern etwas verändert.

Das aktuelle 24-Stunden-Spektrogramm aus Cumiana wirkt deutlich ruhiger als die ausgesprochen intensiven Bilder der vergangenen Tage. Große Teile des aktuellen Spektrums erscheinen dunkelblau; die zuvor dominierenden großflächigen roten Bereiche sind im aktuellen oberen 24-Stunden-Bild nicht mehr vorhanden.

In den darunterliegenden historischen beziehungsweise Detailstreifen sind die starken roten Phasen der vergangenen Tage dagegen weiterhin deutlich zu erkennen.

Und genau das ist bemerkenswert.

Denn jetzt haben wir ausgerechnet Kp5 und einen G1-Sturm, während das aktuelle Cumiana-Bild ruhiger aussieht als während einiger Tage mit deutlich niedrigerem Kp.

Das unterstützt einen Punkt, den wir bereits mehrfach angesprochen haben:

Kp-Index und Cumiana-Signalintensität sind nicht dasselbe und müssen sich nicht parallel bewegen.

Das ist für unsere weitere Beobachtung sogar interessanter als eine perfekte Übereinstimmung.

Wenn Cumiana einfach ein optischer „Geomagnetikmesser“ wäre, müsste das Spektrogramm heute bei Kp5 besonders spektakulär aussehen.

Genau das tut es momentan nicht.

Unsere bisherige Beobachtung ergibt damit ein interessantes Muster

Wenn wir die vergangenen Tage wie einzelne Bilder eines Films hintereinanderlegen, sieht die Entwicklung ungefähr so aus:

16. August: Kp0+, extrem ruhiges Erdmagnetfeld – Cumiana stark auffällig.

18. August: Kp4, deutlich unruhiger – Cumiana weiterhin mit intensiven Bereichen.

19. August: Kp5 und G1-Sturm – das aktuelle Cumiana-Spektrogramm wirkt dagegen deutlich ruhiger.

Das beweist noch keinen bestimmten Zusammenhang.

Aber es zeigt ziemlich deutlich, warum man Schumann-Spektrogramme nicht einfach als direkte Anzeige der geomagnetischen Aktivität interpretieren sollte.

Hier laufen offenbar mehrere Systeme nebeneinander.

Was bedeutet Kp5 eigentlich?

Kp5 ist die Schwelle zur NOAA-Kategorie G1 – Minor Geomagnetic Storm.

Wir sprechen also von einem kleinen geomagnetischen Sturm und nicht von einem außergewöhnlichen Extremereignis.

Bei G1 können vor allem in höheren geografischen Breiten Polarlichter auftreten. Technische Auswirkungen sind normalerweise begrenzt; empfindliche Satelliten- und Funksysteme können stärker auf Veränderungen reagieren.

Für Mitteleuropa bedeutet Kp5 nicht automatisch, dass wir heute Abend spektakuläre Polarlichter sehen werden. Die Chancen sind in höheren Breiten wesentlich besser.

Körper und Gemüt: Jetzt wird unser Vergleich besonders interessant

Für unsere Beobachtung des Wohlbefindens ist der heutige Tag besonders wertvoll.

Wir haben inzwischen nämlich drei deutlich unterschiedliche geomagnetische Situationen erlebt: nahezu Kp0, anschließend Kp4 und jetzt Kp5/G1.

Wer mögliche direkte Zusammenhänge zwischen kosmischem Wetter und dem eigenen Befinden beobachten möchte, kann deshalb heute besonders auf Unterschiede achten.

Wie war die vergangene Nacht? Ist der Schlaf leichter oder unruhiger gewesen? Gibt es ungewöhnliche Müdigkeit, Kopfdruck oder Konzentrationsprobleme? Fühlt sich der Körper schwer an – oder besteht im Gegenteil ungewöhnlich viel innere Energie? Auch Nervosität, emotionale Empfindlichkeit, intensive Träume oder ein stärkeres Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug können interessante persönliche Beobachtungspunkte sein.

Mögliche biologische Reaktionen auf geomagnetische Veränderungen sind Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen; wie stark einzelne Menschen reagieren und welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen könnten, ist jedoch nicht abschließend geklärt.

Deshalb bleiben wir auch hier offen: Nicht jedes Symptom muss vom kosmischen Wetter kommen. Ein möglicher Zusammenhang muss aber auch nicht pauschal ausgeschlossen werden.

Gerade der Vergleich mehrerer unterschiedlicher Tage kann wesentlich interessanter sein als eine einzelne Momentaufnahme.

Und was macht die Erde?

Hier würde ich heute noch keine endgültige Tagesbilanz ziehen, weil der 19. August gerade erst begonnen hat.

Die aktuellen VolcanoDiscovery-Daten zeigen jedoch weiterhin globale seismische Aktivität; deren Liveübersicht wird laufend aktualisiert.

Gestern hatten wir ausdrücklich festgehalten, dass ein irgendwo auf der Welt auftretendes M5-Beben nicht automatisch als Treffer unserer Beobachtung gewertet werden darf. Daran würde ich festhalten.

Interessant werden Veränderungen erst dann, wenn die Aktivität gegenüber dem üblichen Hintergrund auffällig zunimmt oder sich über mehrere Tage besondere Muster zeigen.

Neue Prognose: 19. bis 21. August

Nach dem heutigen Kp5 muss die gestrige Prognose angepasst werden.

Für den weiteren Verlauf des 19. August sind weitere aktive bis zeitweise G1-nahe Bedingungen möglich. Nach der aktuellen Entwicklung würde ich deshalb heute eine Bandbreite von ungefähr Kp3 bis Kp5 ansetzen.

Für den 20. August spricht momentan mehr für eine Abschwächung. Die aktuelle NOAA-basierte Prognose geht ebenfalls von einem Rückgang der geomagnetischen Aktivität aus.

Mein Basisszenario wäre deshalb Kp2 bis Kp4, sofern keine weitere wirksame Sonnenwindstruktur eintrifft.

Für den 21. August wird die Vorhersage wieder unsicherer. Nach der derzeitigen Datenlage würde ich eher ruhige bis zeitweise unruhige Bedingungen erwarten als einen stärkeren Sturm.

Ein erneutes Kp5-Ereignis lässt sich aber nach der heutigen Überraschung nicht sinnvoll ausschließen.

Und genau hier ändere ich auch meine Prognosemethodik: Nicht nur die aktuelle Flare-Aktivität, sondern mögliche bereits unterwegs befindliche CME- und Sonnenwindstrukturen müssen stärker gewichtet werden.

Fazit: Gestern lagen wir zu niedrig – und genau das ist interessant

Am 16. August hatten wir den Anstieg auf Kp4 ziemlich genau getroffen.

Gestern erwartete ich anschließend überwiegend Kp2 bis Kp4 und keinen geomagnetischen Sturm als wahrscheinlichstes Szenario.

Heute Morgen hat die Realität diese Prognose überholt:

Kp5. G1. Kleiner geomagnetischer Sturm.

Das ist kein Grund, die vorherige Einschätzung passend zu machen. Im Gegenteil: Gerade weil wir unsere Prognosen vorher dokumentieren, können wir sehen, wo sie funktionieren und wo ein Faktor unterschätzt wurde.

Gleichzeitig liefert Cumiana heute eine zweite interessante Überraschung. Während das Erdmagnetfeld stärker gestört ist als an den vergangenen Tagen, wirkt das aktuelle Spektrogramm wesentlich ruhiger.

Damit wird unser Bild differenzierter.

Sonne, Sonnenwind, Magnetosphäre, Schumann- beziehungsweise ELF-Messungen, Seismizität und unser eigenes Befinden sind keine einzige Kurve. Sie sind eher mehrere Instrumente in einem Orchester: Manchmal werden sie gemeinsam lauter – und manchmal spielt eines plötzlich ganz anders als die anderen.

Genau diese Momente sind es, die wir weiter dokumentieren sollten.

Quellen für den Artikel: NOAA Space Weather Prediction Center · VolcanoDiscovery – aktuelle Erdbeben weltweit · die aktuellen SpaceWeatherLive- und Cumiana-Messungen aus deinen Screenshots.