Kosmisches Wetter 23. September 2026: Ein Wendepunkt auf mehreren Ebenen

Kosmisches Wetter 23. September 2026: Der astronomische Herbst beginnt ausgerechnet in einer ausgesprochen ruhigen Phase. Am frühen Morgen steht der Kp-Index in unserer aktuellen Aufnahme bei 0,0, Cumiana zeigt eine Schumann-Amplitude von A1 4,7, und auch die weltweite Seismik bleibt mit einem stärksten aktuellen Ereignis von M5,1 im moderaten Bereich.

Doch diese Ruhe könnte bereits heute Abend enden.

Für die kommenden Stunden wird eine Veränderung des Sonnenwinds erwartet. Ein High-Speed-Stream aus einem koronalen Loch soll die Erde erreichen und das geomagnetische Feld zunächst in einen unruhigen bis aktiven Zustand versetzen. Für den 24. September hält NOAA sogar einzelne G1-Phasen für wahrscheinlich.

Damit beginnt der Herbst für unsere Beobachtungsreihe mit einer ungewöhnlich guten Ausgangslage: Wir sehen das System heute Morgen praktisch in Ruhe – bevor der nächste Impuls erwartet wird.

Kosmisches Wetter 23. September 2026: Herbstbeginn um 02:05 Uhr

Heute Nacht um 02:05 Uhr MESZ war es so weit: Die Sonne überquerte den Himmelsäquator von Norden nach Süden. Damit begann auf der Nordhalbkugel astronomisch der Herbst, auf der Südhalbkugel der Frühling.

Die Bezeichnung Tagundnachtgleiche ist dabei etwas vereinfacht. Auch heute sind Tag und Nacht nicht überall exakt zwölf Stunden lang. Durch die Lichtbrechung in der Atmosphäre und die Definition von Sonnenauf- und -untergang dauert der helle Teil des Tages etwas länger. Für Köln wird die Tagundnachtgleiche ebenfalls mit 02:05 Uhr angegeben.

Auch der Mond steht heute bereits bei rund 87 Prozent Beleuchtung und nimmt weiter zu. Der Vollmond folgt am 26. September.

Damit haben wir einen klaren astronomischen Wendepunkt – und gleichzeitig einen bemerkenswert ruhigen Zustand im erdnahen Weltraum.

Von fast 800 km/s zurück auf rund 320 km/s

Der Unterschied zu den vergangenen Tagen ist erheblich.

Mitte September hatten wir eine ausgesprochen dynamische Sonnenwindphase beobachtet. Am 15. September stieg die Geschwindigkeit kurzfristig auf rund 800 km/s. Das interplanetare Magnetfeld verstärkte sich, Bz drehte zeitweise deutlich nach Süden und anschließend reagierte das Erdmagnetfeld bis Kp 4.

Der größere geomagnetische Sturm blieb allerdings aus.

Danach begann das System sich Schritt für Schritt zu beruhigen. Genau diese Entwicklung haben wir in den vergangenen Artikeln verfolgt.

Heute Morgen sind wir praktisch am anderen Ende angekommen.

Die aktuellen Sonnenwinddaten zeigen einen langsamen Hintergrundsonnenwind. Die Geschwindigkeit ging zuletzt von etwa 330 km/s auf ungefähr 310 bis 325 km/s zurück. Gleichzeitig blieb die Gesamtstärke des interplanetaren Magnetfeldes Bt unter 4,8 nT. Bz schwankte lediglich zwischen ungefähr −3 und +4 nT.

Das geomagnetische Feld blieb entsprechend ruhig.

Aktuelle Messwerte lassen sich beim NOAA Space Weather Prediction Center und beim Solar Influences Data and Analysis Centre (SIDC) verfolgen.

Cumiana: Von A1 10,4 zurück auf 4,7

Besonders interessant wird die heutige Ruhe im Vergleich mit unserer Cumiana-Zeitreihe.

Am 18. September hatten wir Kp 2,0 und A1 9,1 dokumentiert. Zwei Tage später stand Kp nur noch bei 1,0, während die angezeigte Schumann-Amplitude sogar auf A1 10,4 gestiegen war.

Heute sehen wir ein vollkommen anderes Bild:

Kp 0,0 – A1 4,7 – Sturmstatus RUHIG.

A1 hat sich gegenüber unserem letzten dokumentierten Wert damit mehr als halbiert.

Auch das aktuelle 24-Stunden-Spektrogramm aus Cumiana wirkt über weite Bereiche vergleichsweise ruhig. Einzelne vertikale Linien und konzentrierte Intensitätsbereiche bleiben sichtbar, doch die ausgeprägteren Strukturen der vergangenen Beobachtungen dominieren das Bild nicht mehr.

Für unsere Zeitreihe ist das wertvoll.

Wir haben jetzt einen ruhigen Referenzpunkt, unmittelbar bevor sich das Sonnenwindumfeld voraussichtlich erneut verändert.

Die laufenden Messdarstellungen gibt es bei Herzschlag der Erde – Live-Daten.

Was wir beim Befinden inzwischen beobachten

Parallel zu Sonne, Sonnenwind, Erdmagnetfeld, Cumiana und Seismik beobachten wir seit mehreren Wochen auch Veränderungen des körperlichen und psychischen Befindens.

Dabei geht es nicht darum, einzelne Empfindungen nachträglich einem bestimmten Messwert zuzuordnen. Interessanter ist, welche Wahrnehmungen wiederholt auftreten und in welchen zeitlichen Konstellationen sie vorkommen.

Über die vergangenen Wochen tauchten dabei insbesondere Kopfdruck und Kopfschmerzen, Erschöpfung, innere Anspannung, Konzentrationsschwierigkeiten, Kreislaufempfindlichkeit sowie Phasen erhöhter Reizbarkeit oder Überstimulation wiederholt auf. Auch der Schlaf zeigte kein durchgehend einheitliches Muster.

Gerade deshalb werden die kommenden 48 Stunden für unsere Beobachtung interessant.

Heute beginnen wir mit einem sehr ruhigen Referenzzustand: langsamer Sonnenwind, Kp 0 und Cumiana A1 4,7. Sollte der prognostizierte High-Speed-Stream tatsächlich eintreffen, können wir anschließend vergleichen, ob und wann sich neben den physikalischen Messwerten auch in den dokumentierten Wahrnehmungen Veränderungen zeigen.

Nicht ein einzelner Wert ist dabei entscheidend, sondern die zeitliche Abfolge.

Kosmisches Wetter 23. September 2026 – Tagundnachtgleiche mit Sonne, Mond und Erde bei ruhigem Erdmagnetfeld vor erwartetem Sonnenwind

Seismik: Die Erde ist aktiv, aber ohne außergewöhnliches Großereignis

Auch bei der weltweiten Seismik ist der heutige Ausgangszustand vergleichsweise übersichtlich.

Nach den aktuellen Daten ist das stärkste Ereignis innerhalb des betrachteten 24-Stunden-Fensters ein M5,1 in der Ostchinesischen See im Bereich der Ryukyu-Inseln/Japan.

Als jüngstes gespürtes Ereignis wurde ein M4,2 rund 34 Kilometer nördlich von La Serena in Chile geführt. Zuletzt kam außerdem unter anderem ein M2,5 südöstlich von Perryville in Alaska hinzu.

Damit unterscheidet sich die Situation deutlich von unserem stärkeren Ereignis bei den Aleuten am 17. September.

Für die heutige Chronik reicht deshalb eine nüchterne Feststellung: Die Erde ist seismisch aktiv, innerhalb unseres aktuellen Beobachtungsfensters zeigt sich jedoch keine außergewöhnliche Serie sehr starker Erdbeben.

Auch hier wird der Vergleich mit den kommenden beiden Tagen interessanter als eine einzelne Momentaufnahme.

Die laufenden Ereignisse können direkt im USGS Earthquake Catalog verfolgt werden.

Was heute noch passieren könnte

Die aktuelle Ruhe soll nach der NOAA-Prognose nicht den ganzen Zeitraum anhalten.

Zunächst herrscht noch langsamer Hintergrundsonnenwind. Später am 23. September wird jedoch ein sogenannter Sector Boundary Crossing erwartet – die Erde bewegt sich dabei durch eine Grenze zwischen unterschiedlich ausgerichteten Bereichen des interplanetaren Magnetfeldes.

Anschließend soll der Einfluss eines positiv gepolten Coronal-Hole-High-Speed-Streams beginnen.

Damit können Sonnenwindgeschwindigkeit und Magnetfeldstärke zunehmen. Für den späteren Tagesverlauf werden deshalb unruhige bis aktive geomagnetische Bedingungen erwartet.

Wichtig ist die Reihenfolge:

Heute Morgen haben wir diesen Einfluss noch nicht.

Kp 0 beschreibt also den Ausgangszustand – nicht das, was für heute Abend oder morgen prognostiziert wird.

Vorschau auf den 24. September: G1 wird möglich

Der interessanteste Tag dürfte nach jetzigem Stand morgen werden.

Wenn sich der Einfluss des High-Speed-Streams verstärkt, hält NOAA einzelne Phasen eines G1-Minor-Sturms für wahrscheinlich. Die aktuelle Dreitageprognose nennt für den Zeitraum vom 23. bis 25. September einen höchsten erwarteten 3-Stunden-Kp von 5, also G1-Niveau.

Das bedeutet allerdings nicht, dass G1 bereits feststeht.

Entscheidend wird sein, wie der Sonnenwind tatsächlich ankommt und wie sich das interplanetare Magnetfeld verhält. Besonders interessant wird wieder Bz: Bleibt die Nord-Süd-Komponente überwiegend nördlich oder wechselt nur kurzzeitig nach Süden, kann die geomagnetische Reaktion begrenzt bleiben. Eine länger anhaltende südliche Ausrichtung ermöglicht dagegen eine stärkere Kopplung mit dem Erdmagnetfeld.

Genau deshalb schauen wir morgen nicht nur auf Kp.

Wir vergleichen Sonnenwindgeschwindigkeit, Bt, Bz, Kp und Cumiana miteinander.

Vorschau auf den 25. September: wahrscheinlich schon wieder abklingend

Nach derzeitigem Stand handelt es sich nicht um die Prognose einer längeren schweren Sturmphase.

Die von dir vorliegende Dreitagegrafik zeigt für den 23. September einen maximalen Kp um 4,3, für den 24. September etwa 5,3 und für den 25. September wieder ungefähr 3,7.

Sollte diese Entwicklung eintreten, bekämen wir ein relativ klar abgegrenztes Beobachtungsfenster:

23. September: ruhiger Ausgangszustand und möglicher Beginn des HSS-Einflusses → 24. September: mögliche stärkste geomagnetische Reaktion bis G1 → 25. September: voraussichtlich wieder nachlassende Aktivität.

Gerade für Cumiana wäre das ausgesprochen interessant.

Heute starten wir bei A1 4,7. Wenn Kp morgen tatsächlich Richtung 5 steigt, können wir beobachten, ob A1 ebenfalls zunimmt, zeitversetzt reagiert, unverändert bleibt oder sich vollkommen unabhängig davon entwickelt.

Keine dieser Möglichkeiten wäre ein „falsches“ Ergebnis.

Wir bauen eine Zeitreihe auf – und dafür sind Übereinstimmungen ebenso wichtig wie Gegenbeispiele.

Kosmisches Wetter 23. September 2026: Die Ruhe wird zum Ausgangspunkt

Auf den ersten Blick ist heute wenig los.

Kp steht bei 0. Der Sonnenwind bewegt sich nur um 320 km/s. Bt ist niedrig. Cumiana ist von A1 10,4 auf 4,7 zurückgegangen. Die weltweite Seismik zeigt innerhalb unseres aktuellen Fensters kein außergewöhnliches Großereignis.

Und genau deshalb ist dieser Tag interessant.

Denn diesmal beginnen wir unsere Beobachtung vor der prognostizierten Veränderung.

Wir müssen anschließend nicht rekonstruieren, wie es vorher aussah. Wir kennen den Ausgangszustand.

Gleichzeitig liefert die Tagundnachtgleiche einen eindeutigen astronomischen Zeitmarker: Am 23. September 2026 um 02:05 Uhr MESZ begann auf der Nordhalbkugel der astronomische Herbst. Der Mond steht bei rund 87 Prozent und nimmt weiter zu.

Nun warten wir auf den Sonnenwind.

Wenn der High-Speed-Stream in den kommenden Stunden tatsächlich eintrifft, verfolgen wir seine Entwicklung wieder Ebene für Ebene:

Sonne und Sonnenwind → Bt und Bz → Erdmagnetfeld und Kp → Cumiana → Seismik → Befinden.

Morgen können wir dann erstmals direkt vergleichen, was sich gegenüber diesem ausgesprochen ruhigen Morgen verändert hat.

Beobachten. Dokumentieren. Vergleichen.

Sonne. Erdmagnetfeld. Cumiana. Seismik. Und wir mittendrin.