Kosmisches Wetter 17. September 2026: Vor zwei Tagen erreichte der Sonnenwind zeitweise eine Geschwindigkeit von rund 800 km/s. Gleichzeitig verstärkte sich das interplanetare Magnetfeld und Bz drehte zeitweise deutlich nach Süden. Das klang zunächst nach einer Kombination, aus der sich ein kräftiger geomagnetischer Sturm entwickeln könnte. Doch die Erde reagierte wesentlich moderater. Inzwischen können wir […]
Kosmisches Wetter 17. September 2026: Vor zwei Tagen erreichte der Sonnenwind zeitweise eine Geschwindigkeit von rund 800 km/s.
Gleichzeitig verstärkte sich das interplanetare Magnetfeld und Bz drehte zeitweise deutlich nach Süden. Das klang zunächst nach einer Kombination, aus der sich ein kräftiger geomagnetischer Sturm entwickeln könnte. Doch die Erde reagierte wesentlich moderater.
Inzwischen können wir nicht nur auf die spektakuläre Geschwindigkeitsspitze schauen, sondern auf das, was danach tatsächlich passiert ist. Das Erdmagnetfeld erreichte aktive Bedingungen bis Kp 4, blieb damit aber unter einem beobachteten G1-Sturm. Gleichzeitig zeigt der Vergleich unserer Schumann-Aufzeichnungen aus Tomsk und Cumiana erneut kein vollkommen synchrones Bild.
Gerade deshalb wird dieser Zeitraum für unsere seit mehreren Wochen laufende Beobachtung interessant. Denn langsam lässt sich nicht nur erkennen, was zusammenfällt – sondern auch, welche vermeintlich einfachen Zusammenhänge sich gerade nicht bestätigen.
Kosmisches Wetter 17. September 2026: Die Erde reagiert auf den Sonnenwind
Der Ausgangspunkt liegt am 15. September. SIDC registrierte am L1-Messpunkt zwischen Sonne und Erde eine größere Störung des Sonnenwinds. Dabei wurden kurzzeitig Geschwindigkeiten von ungefähr 800 km/s erreicht. Das interplanetare Magnetfeld Bt stieg auf etwa 16 bis 17 nT, während Bz später zeitweise bis ungefähr −13 nT nach Süden drehte.
Das war eine durchaus interessante Kombination. Denn nicht die Geschwindigkeit allein entscheidet darüber, wie stark die Magnetosphäre reagiert. Besonders wichtig ist die Orientierung des interplanetaren Magnetfeldes. Ein länger anhaltendes südliches Bz erleichtert die magnetische Kopplung und damit den Energietransfer in die Magnetosphäre.
Doch die extrem hohe Geschwindigkeit hielt nicht an.
Im weiteren Verlauf sank der Sonnenwind wieder deutlich ab. Am 16. September erreichte das Erdmagnetfeld schließlich aktive Bedingungen bis Kp 4. SIDC brachte diese Aktivität mit dem High-Speed-Stream des negativ gepolten koronalen Lochs CH142 sowie einem möglichen streifenden Einfluss eines CME vom 13. September in Verbindung.
Die Erde hat also durchaus reagiert – nur eben nicht mit einem großen Sturm.
Das ist eine wichtige Unterscheidung.
800 km/s Sonnenwind bedeuten nicht automatisch Kp 7, G3 oder einen schweren geomagnetischen Sturm. Geschwindigkeit, Stärke und Ausrichtung des Magnetfeldes sowie die Dauer der jeweiligen Bedingungen müssen zusammenspielen.
Genau das konnten wir in den vergangenen zwei Tagen praktisch beobachten.
Heute bleibt G1 noch möglich
Für das Kosmische Wetter 17. September 2026 ist die Sonnenwindphase noch nicht vollständig beendet.
NOAA weist in seinem aktuellen 3-Tage-Ausblick als höchsten beobachteten 3-Stunden-Kp der vergangenen 24 Stunden Kp 4 aus. Für den 17. September werden zeitweise noch Werte bis Kp 4,67 beziehungsweise G1 prognostiziert. Danach soll die Aktivität schrittweise zurückgehen.
Damit befinden wir uns wahrscheinlich eher am Ende dieser Phase als am Beginn eines neuen größeren Ereignisses.
Auch die koronalen Löcher sind inzwischen weiter nach Westen gewandert. CH142, dessen High-Speed-Stream uns in den vergangenen Tagen beschäftigt hat, befand sich am 16. September bereits deutlich westlich des Zentralmeridians.
Der enorme Geschwindigkeitsschub vom 15. September sollte deshalb nicht als Beginn einer immer weiter zunehmenden Eskalation gelesen werden. Die bisherigen Messwerte sprechen vielmehr für eine kurze, starke Sonnenwindstruktur mit anschließender moderater geomagnetischer Reaktion.
Aktuelle Messwerte und Vorhersagen können direkt beim NOAA Space Weather Prediction Center sowie beim Solar Influences Data and Analysis Centre (SIDC) verfolgt werden.
Auf der Sonne selbst ist es erstaunlich ruhig geworden
Während im Raum zwischen Sonne und Erde noch die Nachwirkungen der vergangenen Tage messbar sind, ist die sichtbare Sonnenseite momentan bemerkenswert ruhig.
NOAA meldet nur wenige nummerierte Sonnenfleckenregionen und erwartet überwiegend geringe Sonnenaktivität. Einzelne C-Klasse-Flares sind möglich, stärkere Ereignisse stehen derzeit jedoch nicht im Mittelpunkt der Prognose. Auch ein neuer relevanter erdgerichteter CME ist momentan nicht das bestimmende Thema.
Damit hat sich unser Beobachtungsschwerpunkt innerhalb weniger Wochen deutlich verschoben.
Anfang September beschäftigte uns vor allem AR4524. Die Region produzierte M-Flares und mehrere CMEs, während gleichzeitig das koronale Loch CH179 seinen High-Speed-Stream in Richtung Erde schickte.
Damals erreichte die geomagnetische Aktivität tatsächlich G1.
Heute spielt AR4524 praktisch keine Rolle mehr. Statt neuer kräftiger Sonneneruptionen beobachten wir die Auswirkungen bereits ausgestoßener Materie und der High-Speed-Streams koronaler Löcher.
Das Kosmische Wetter 17. September 2026 erzählt deshalb weniger eine Geschichte über das, was gerade auf der Sonne explodiert, sondern über das, was einige Tage später bei der Erde daraus wird.
Schumann-Resonanz: Tomsk allein reicht nicht mehr
Besonders interessant wurde unsere Beobachtung in den vergangenen Tagen bei der Schumann-Resonanz.
Am 15. September zeigte unsere verwendete Darstellung für Tomsk eine A1-Amplitude von 5,6. Am 16. September lag sie bei 7,7, während der zu diesem Zeitpunkt angezeigte Kp lediglich 3 betrug und der Sturmstatus weiterhin als „RUHIG“ geführt wurde.
Im Tomsk-Spektrogramm war bereits am 14. September eine markante helle Intensitätsstruktur zu erkennen. Am 15. September zeigte sich über längere Abschnitte eine stärkere Aufhellung mit mehreren vertikalen Strukturen.
Würde man ausschließlich Tomsk betrachten, wäre es verlockend, daraus eine allgemeine starke Veränderung der Schumann-Resonanzen abzuleiten.
Genau deshalb haben wir Cumiana im Piemont in unseren Vergleich aufgenommen.
Und dort sieht das Bild anders aus.
Die Resonanzbänder sind auch in Cumiana deutlich zu erkennen und es treten Veränderungen auf. Die dortigen Aufzeichnungen bilden die auffälligen Tomsk-Strukturen jedoch nicht einfach eins zu eins ab.
Das ist eine wichtige Erkenntnis.
Schumann-Resonanzen sind ein globales Phänomen des Hohlraums zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre. Gemessen werden sie aber an konkreten Orten. Globale Gewitteraktivität ist ihre wichtigste natürliche Anregungsquelle; gleichzeitig können sich ionosphärische Bedingungen, Tageszeit, Lage zu Gewitterzentren, lokale elektromagnetische Einflüsse und die verwendete Messtechnik auf das Erscheinungsbild einer einzelnen Station auswirken.
Deshalb wird aus Tomsk + Cumiana künftig ein fester Bestandteil unserer Beobachtung.
Zeigen beide Stationen zeitgleich vergleichbare Veränderungen, ist das für unsere Chronik interessanter als ein extremer Ausschlag an nur einem Messort. Weichen die Stationen deutlich voneinander ab, ist auch diese Abweichung ein Ergebnis.
Die verwendeten aktuellen Darstellungen lassen sich bei Herzschlag der Erde – Live-Daten verfolgen.
Was die vergangenen Wochen über Körper und Psyche zeigen
Nach mehreren Wochen können wir auch bei den dokumentierten körperlichen und psychischen Wahrnehmungen eine erste Zwischenbilanz ziehen.
Wiederholt aufgetaucht sind unter anderem Müdigkeit und Erschöpfung, Kopfdruck oder Kopfschmerzen, innere Anspannung, Gereiztheit, Konzentrationsprobleme, Kreislaufempfindlichkeit und Phasen stärkerer Reizbarkeit oder Überstimulation.
Doch mindestens ebenso interessant ist inzwischen, was sich nicht bestätigt.
Vor allem der Kp-Index funktioniert bislang nicht als einfacher Gradmesser für das Befinden.
Während der CH179-Phase Anfang September erreichte das Erdmagnetfeld tatsächlich G1. Wahrgenommene körperliche oder psychische Veränderungen beschränkten sich jedoch nicht auf diese geomagnetisch aktive Phase.
Auch der Schlaf ergibt bislang kein einheitliches Muster. Gute und schlechte Schlafphasen lassen sich nicht sauber nach hohen und niedrigen Kp-Werten sortieren.
Das ist relevant, weil dadurch eine sehr einfache Erklärung zunehmend unwahrscheinlich wird:
Hoher Kp = schlechtes Befinden.
So funktioniert unsere bisherige Beobachtungsreihe offensichtlich nicht.
Interessanter könnte der zeitliche Verlauf mehrerer Parameter sein. Veränderungen des Sonnenwinds beginnen schließlich am L1-Messpunkt, bevor daraus eine geomagnetische Reaktion entsteht. Geschwindigkeit, Teilchendichte, Bt und Bz können sich deutlich verändern, obwohl Kp zunächst niedrig bleibt.
Wenn wir nach wiederkehrenden Mustern suchen wollen, müssen wir deshalb wahrscheinlich wesentlich breiter schauen als auf einen einzelnen Index.
Kosmisches Wetter 17. September 2026: Aus Messwerten wird eine Zeitreihe
Damit verändert sich langsam auch der Charakter unserer Reihe.
Zu Beginn haben wir einzelne auffällige Tage betrachtet. Inzwischen entsteht daraus eine Chronologie.
Anfang September wurde AR4524 aktiv. Es folgten mehrere Flares und CMEs. Parallel bewegte sich CH179 über die Sonnenscheibe. Sein High-Speed-Stream erreichte anschließend die Erde und es wurden tatsächlich G1-Bedingungen gemessen.
Danach beruhigte sich die Lage.
Um den 14. September veränderten sich erneut unsere Beobachtungen. Tomsk zeigte auffällige Strukturen. Am 15. September folgte eine Sonnenwindstörung mit kurzfristig fast 800 km/s, verstärktem Bt und später deutlich südlichem Bz.
Am 16. September erreichte das Erdmagnetfeld schließlich Kp 4.
Gleichzeitig stieg die in unserer Tomsk-Darstellung angegebene A1-Amplitude von 5,6 auf 7,7 – während Cumiana kein identisches Muster zeigte.
Damit lässt sich zumindest eine Sache inzwischen ziemlich deutlich erkennen:
Die verschiedenen Ebenen reagieren nicht synchron und nicht proportional.
Sonnenwind hoch bedeutet nicht automatisch Kp hoch.
Kp hoch bedeutet nicht automatisch eine entsprechende Veränderung an jeder Schumann-Messstation.
Und eine auffällige Schumann-Aufzeichnung an einem Ort bedeutet nicht automatisch, dass eine andere Station dasselbe Signal zeigen muss.
Genau deshalb wird die Zeitreihe interessanter als der einzelne Ausschlag.
Und die Erdbeben?
Auch die Seismik liefert ein Gegenstück zu einer zu einfachen Erklärung.
In unserer Übersicht vom 16. September war das stärkste Ereignis der vergangenen 24 Stunden ein Erdbeben der Magnitude 5,0 rund 60 Kilometer südsüdwestlich von Ocós in Guatemala. Das jüngste zum Zeitpunkt der Erfassung aufgeführte Ereignis war ein M2,7 in San Juan, Argentinien.
Damit folgte auf die außergewöhnlich hohe Sonnenwindgeschwindigkeit keine außergewöhnliche globale Serie sehr starker Erdbeben.
Für unsere Beobachtung ist das mindestens so wichtig wie eine auffällige zeitliche Übereinstimmung.
Wer nur die Tage sammelt, an denen zwei Ereignisse gleichzeitig auftreten, wird irgendwann zwangsläufig vermeintliche Muster finden. Deshalb gehören die Gegenbeispiele ausdrücklich in unsere Chronik.
Und davon haben wir inzwischen einige.
Was können wir nach mehreren Wochen tatsächlich daraus schließen?
Beim Kosmischen Wetter 17. September 2026 wird langsam sichtbar, warum diese Beobachtungsreihe mit jedem weiteren Tag wertvoller wird.
Eine erste Schlussfolgerung ist inzwischen ziemlich robust: Wir finden keinen einfachen Ein-Wert-Zusammenhang.
Weder Sonnenwindgeschwindigkeit noch Kp noch eine einzelne Schumann-Amplitude erklären für sich allein das gesamte beobachtete Geschehen.
Das bedeutet aber nicht, dass die verschiedenen Systeme völlig unabhängig voneinander betrachtet werden sollten.
Sonnenaktivität verändert nachweislich die Bedingungen im erdnahen Weltraum und in der oberen Atmosphäre. Auch Schumann-Resonanzen hängen von den elektrischen Eigenschaften des Erde-Ionosphäre-Hohlraums ab. Interessant bleibt deshalb die Frage, ob sich über längere Zeit wiederkehrende zeitliche Muster erkennen lassen – und welche davon auch beim Vergleich verschiedener Messstationen bestehen bleiben.
Unsere Beobachtungskette wird deshalb ab jetzt genauer:
Sonnenaktivität → CME und koronale Löcher → Sonnenwindgeschwindigkeit, Dichte, Bt und Bz → geomagnetische Reaktion/Kp → Tomsk + Cumiana → Seismik → dokumentiertes körperliches und psychisches Befinden.
Nicht jeder Pfeil in dieser Kette bedeutet automatisch Ursache und Wirkung.
Aber nach mehreren Wochen können wir beginnen zu fragen:
Welche Reihenfolgen wiederholen sich? Welche verschwinden beim zweiten Messort? Welche körperlichen Wahrnehmungen treten unabhängig vom Kp auf? Und welche vermeintlichen Zusammenhänge halten einer längeren Zeitreihe überhaupt stand?
Genau darin liegt inzwischen der spannendste Teil dieses Projekts.
Der spektakulärste Wert der vergangenen Tage waren die fast 800 km/s Sonnenwind.
Die wesentlich interessantere Erkenntnis ist jedoch, was danach geschah – und was nicht.
Die Erde reagierte, aber nur bis Kp 4. Tomsk veränderte sich, Cumiana zeigte jedoch kein identisches Bild. Die Seismik eskalierte nicht außergewöhnlich. Und die bisherigen Beobachtungen zum Befinden lassen sich nicht einfach anhand des Kp-Index erklären.
Das Kosmische Wetter 17. September 2026 liefert uns damit keine einfache Antwort.
Es liefert etwas Besseres:
mehr Daten, erste Gegenbeispiele und eine zunehmend brauchbare Zeitreihe.
Beobachten. Dokumentieren. Vergleichen.
Sonne. Erdmagnetfeld. Schumann. Seismik. Und wir mittendrin.

