Kosmisches Wetter: Noch im gestrigen kosmischen Wetter lautete unsere Frage: „Ruhe vor dem nächsten Sonnenwind?“

Inzwischen ist klar: Die Ruhe im Sonnenwind hielt nicht an.

Am 15. September gegen 11:30 UTC erreichte eine größere Störung den L1-Messpunkt zwischen Sonne und Erde. SIDC maß dabei eine Sonnenwindgeschwindigkeit von bis zu 815 km/s und interpretierte das Ereignis als wahrscheinlich frühere Ankunft eines ICME, der mit dem CME vom 13. September verbunden war. Zu Beginn der Störung war allerdings kein klassischer Schock zu erkennen und Bz zeigte zunächst nach Norden.

Später wurden die Bedingungen noch interessanter. Das interplanetare Magnetfeld erreichte 17 nT. Die Bz-Komponente blieb zunächst überwiegend nördlich, drehte am Abend des 15. September jedoch zeitweise deutlich nach Süden und erreichte etwa −13 nT. NOAA registrierte außerdem zwei kürzere Geschwindigkeitsschübe oberhalb von ungefähr 600 beziehungsweise 700 km/s, bevor die Geschwindigkeit jeweils wieder in Richtung 400 km/s zurückging.

Damit waren zeitweise mehrere Faktoren vorhanden, die wir bei unserer Beobachtung besonders im Auge behalten:

sehr schneller Sonnenwind, ein verstärktes interplanetares Magnetfeld und zeitweise deutlich negatives Bz.

Trotzdem blieb die geomagnetische Reaktion zunächst erstaunlich moderat.

Warum 815 km/s nicht automatisch einen starken Sonnensturm bedeuten

Das ist einer der Punkte, die in Schlagzeilen über Weltraumwetter schnell verloren gehen.

Die Geschwindigkeit des Sonnenwinds allein bestimmt nicht, wie stark das Erdmagnetfeld reagiert.

Man kann sich das vereinfacht wie eine Tür vorstellen. Der Sonnenwind liefert den Druck gegen diese Tür. Entscheidend dafür, wie viel Energie tatsächlich in die Magnetosphäre übertragen werden kann, ist aber unter anderem die Orientierung des interplanetaren Magnetfeldes.

Besonders wichtig ist dabei Bz.

Zeigt Bz länger nach Süden, kann das interplanetare Magnetfeld wesentlich effizienter mit dem Erdmagnetfeld koppeln. Zeigt Bz nach Norden oder wechselt häufig seine Richtung, kann selbst ein sehr schneller Sonnenwind eine vergleichsweise begrenzte geomagnetische Reaktion hervorrufen.

Genau das macht die aktuelle Situation so interessant.

NOAA weist im aktuellen 3-Tage-Ausblick aus, dass der höchste tatsächlich beobachtete 3-Stunden-Kp der vergangenen 24 Stunden lediglich bei 3 lag – also unterhalb einer NOAA-Sturmstufe. Für den Zeitraum vom 16. bis 18. September wird als höchster Wert Kp 4,67 beziehungsweise G1 erwartet.

Am Abend des 15. September hatte NOAA vorsorglich bereits eine G1-Warnung ausgegeben. Diese galt zunächst bis zum Morgen des 16. September. Das ist ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen Warnung, Prognose und anschließend tatsächlich gemessener geomagnetischer Aktivität.

Kosmisches Wetter mit einer aktiven Sonne, Sonnenwind und dem Magnetfeld der Erde als Schutzschild gegen geladene Teilchen im Weltraum – Illustration der Wechselwirkung zwischen Sonnenaktivität und Magnetosphäre.

CH142 könnte die Geschichte noch fortsetzen

Ganz abgeschlossen ist die Situation damit nicht.

Neben den ICME-Einflüssen beobachten wir weiterhin den High-Speed-Stream aus einem koronalen Loch. SIDC Coronal Hole 142 überquerte um den 13./14. September den Zentralmeridian und lag am 15. September bereits bei ungefähr N29W16.

SIDC erwartete dessen High-Speed-Stream ungefähr für den Zeitraum um den 16. September. Gleichzeitig wirken noch die Folgen des ICME. In der Prognose vom 15. September wurde für heute deshalb ein Ap-Wert von 39 angesetzt und mit mindestens kleineren geomagnetischen Sturmphasen gerechnet.

Auch NOAA erwartet, dass die Einflüsse des negativen Coronal-Hole-High-Speed-Streams bis zum 18. September anhalten. Zusätzlich können Randbereiche der CMEs vom 13. und 14. September am 16. und 17. September weitere Verstärkungen verursachen.

Der spannendste Messwert ist heute deshalb nicht allein die Sonnenwindgeschwindigkeit.

Es ist die Kombination aus Geschwindigkeit + Bt + Bz + Kp.

Erst zusammen erzählen diese Werte, wie stark die Verbindung zwischen Sonnenwind und Magnetosphäre tatsächlich ist.

AR4524 ist inzwischen aus dem Mittelpunkt verschwunden

Noch vor gut einer Woche sah das kosmische Wetter vollkommen anders aus.

Damals beschäftigte uns AR4524 mit stärkeren Flares und CMEs. Gleichzeitig lieferte CH179 seinen schnellen Sonnenwind.

Heute liegt die eigentliche Dynamik dagegen im Raum zwischen Sonne und Erde.

Die Sonnenaktivität selbst ist aktuell ausgesprochen niedrig. Am 15. September registrierte GOES lediglich einen B5.4-Flare. Bis zum frühen Morgen des 16. September war noch kein neuer GOES-Flare verzeichnet.

SIDC hatte in seinem jüngsten Bulletin ebenfalls keine neuen erdgerichteten CMEs festgestellt und erwartete überwiegend niedrige Sonnenaktivität mit möglichen C-Klasse-Flares.

Damit hat sich unser Beobachtungsschwerpunkt deutlich verschoben:

Anfang September blickten wir auf die Sonnenoberfläche.

Heute schauen wir vor allem auf das, was zwischen Sonne und Erde geschieht.

Schumann-Resonanz am 16. September: Tomsk und Cumiana zeigen kein identisches Bild

Bei der Schumann-Resonanz lohnt sich heute besonders der Blick auf beide Messstationen. Denn die Aufzeichnungen aus Tomsk und Cumiana zeigen sehr schön, warum wir nicht von „der Schumann-Aktivität der Erde“ sprechen sollten, als gäbe es dafür einen einzigen globalen Messwert.

Die aktuelle Zusammenfassung zeigt für Tomsk eine Amplitude A1 von 7,7. Gestern lag dieser Wert noch bei 5,6. Gleichzeitig beträgt der angezeigte geomagnetische Kp-Index heute Morgen lediglich 3,0, der Sturmstatus wird weiterhin als RUHIG geführt.

Im Tomsk-Spektrogramm fällt rückblickend besonders die intensive Struktur vom 14. September auf. Am 15. September erscheint das Spektrum über längere Abschnitte stärker grünlich aufgehellt und enthält mehrere schmale vertikale Intensitätsstrukturen. Für den 16. September ist dagegen nur ein begrenzter Abschnitt vorhanden; die große schwarze Fläche ist eine Datenlücke und kein physikalischer „Blackout“.

Und was zeigt Cumiana?

Genau hier wird der Vergleich interessant.

Die unteren beiden Darstellungen stammen aus Cumiana im Piemont in Norditalien. Auch dort werden ELF-Signale erfasst, allerdings mit einem anderen Messsystem, an einem anderen geografischen Standort und unter anderen lokalen Bedingungen.

Das große Cumiana-24-Stunden-Spektrogramm wirkt zunächst wesentlich ruhiger und gleichmäßiger als Tomsk. Die typischen horizontalen Resonanzbänder bleiben über weite Bereiche klar erkennbar. Es zeigt also nicht dieselbe massive helle Struktur, die wir zuvor in Tomsk gesehen haben.

Im detaillierteren Cumiana-Spektrogramm rechts unten sieht man jedoch ebenfalls Veränderungen: Die Resonanzbänder bleiben sichtbar, gleichzeitig treten zeitweise vertikale Strukturen und Intensitätsänderungen auf. Besonders im unteren Frequenzbereich ist eine wechselnde Aktivität zu erkennen.

Damit bekommen wir einen wichtigen Befund für unsere Chronik:

Tomsk und Cumiana zeigen Veränderungen – aber nicht dieselben Veränderungen in derselben Stärke.

Und genau das sollten wir nicht als störenden Widerspruch betrachten, sondern als wertvolle Information.

Schumann-Resonanzen entstehen im globalen Hohlraum zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre, werden aber an einzelnen Orten gemessen. Gewitteraktivität, Entfernung zu den jeweiligen Gewitterzentren, Tageszeit, ionosphärische Bedingungen, lokale elektromagnetische Störungen und die Eigenschaften der Messanlage beeinflussen deshalb das Bild einer einzelnen Station.

Ein spektakulärer Ausschlag in Tomsk ist somit nicht automatisch ein weltweites Schumann-Ereignis.

Umgekehrt bedeutet ein ruhigeres Cumiana-Spektrogramm nicht, dass in Tomsk nichts geschehen ist.

Der Vergleich der Stationen wird für Zeichen13 jetzt entscheidend

Gerade deshalb sollten wir unsere Methode ab jetzt erweitern.

Bisher haben wir häufig den auffälligen Tomsk-Verlauf betrachtet. Mit Cumiana besitzen wir aber eine Art zweite Perspektive auf dasselbe globale Resonanzsystem.

Wenn künftig Tomsk und Cumiana zeitgleich ähnliche Veränderungen zeigen, wird das für unsere Beobachtung erheblich interessanter als ein isolierter Ausschlag an nur einer Station.

Zeigt dagegen nur Tomsk eine extreme Struktur, während Cumiana weitgehend stabil bleibt, müssen wir stärker mit regionalen Bedingungen, unterschiedlicher Gewitteranregung, Messbedingungen oder lokalen Einflüssen rechnen.

Damit verändert sich auch unsere bisherige Beobachtungskette:

Sonne → Sonnenwind/Bz → Kp → Tomsk + Cumiana → Seismik → dokumentiertes körperliches und psychisches Befinden.

Und genau der aktuelle Zeitraum zeigt, warum diese Erweiterung notwendig ist.

Am 15. September wurde im Sonnenwind zeitweise eine Geschwindigkeit von rund 815 km/s gemessen. Das Erdmagnetfeld reagierte zunächst trotzdem nur moderat. Am Morgen des 16. September steht Kp bei 3, während Tomsk für A1 7,7 anzeigt. Gleichzeitig präsentiert Cumiana kein identisches Abbild der auffälligen Tomsk-Strukturen.

Das spricht erneut gegen eine einfache Gleichung wie:

Sonnenwind hoch = Kp hoch = Schumann überall hoch.

Unsere bisherigen Daten zeichnen ein wesentlich komplexeres Bild.

Erdbeben am 16. September: bislang keine außergewöhnliche Aktivität

Auch die weltweite Seismik nehmen wir wieder mit in unser Beobachtungsbild.

In der heutigen 24-Stunden-Übersicht ist das bislang stärkste erfasste Ereignis ein Erdbeben der Magnitude 5,0 rund 60 Kilometer südsüdwestlich von Ocós in Guatemala.

Das jüngste zum Zeitpunkt unserer Aufnahme aufgeführte Ereignis erreichte Magnitude 2,7 in San Juan, Argentinien.

Damit sehen wir heute bislang keine ungewöhnliche Häufung sehr großer Erdbeben.

Und gerade das ist für unsere Chronik relevant.

Gestern wurden zwischen Sonne und Erde ausgesprochen hohe Sonnenwindgeschwindigkeiten gemessen. Heute sehen wir trotzdem weder einen starken geomagnetischen Sturm noch eine außergewöhnliche globale seismische Eskalation.

Auch fehlende Übereinstimmungen gehören in eine ernsthafte Beobachtungsreihe.

Wie geht es euch heute? Schlaf, Kopfschmerzen und innere Anspannung

Und dann gibt es noch eine Ebene, die kein Satellit messen kann: Wie erleben wir selbst diese Tage?

Ich möchte das diesmal bewusst nicht hypothetisch formulieren.

Ich selbst habe in der vergangenen Nacht sehr gut geschlafen. Gleichzeitig habe ich heute Kopfschmerzen und spüre eine deutliche innere Anspannung.

Das ist meine persönliche Momentaufnahme am 16. September – nicht mehr und nicht weniger. Und genau solche konkreten Beobachtungen finde ich für unsere Chronik interessanter als eine Liste von Symptomen, die theoretisch auftreten könnten.

Deshalb interessiert mich heute eure tatsächliche Erfahrung:

Wie geht es euch heute – körperlich und psychisch?

Habt ihr ebenfalls gut geschlafen? Seid ihr entspannt aufgewacht oder angespannt? Habt ihr Kopfschmerzen, fühlt ihr euch ungewöhnlich fit, erschöpft, konzentriert oder völlig normal?

Schreibt es gern mit Uhrzeit in die Kommentare.

Je konkreter die Beobachtung ist, desto interessanter wird der spätere Vergleich mit Sonnenwind, Bz, Kp und unseren Schumann-Aufzeichnungen.

Denn das Prinzip unserer Reihe bleibt:

Beobachten. Dokumentieren. Vergleichen.

Was wir am 16. September tatsächlich wissen

Das Kosmische Wetter am 16. September 2026 erzählt damit eine überraschend differenzierte Geschichte.

Der angekündigte Einfluss zwischen Sonne und Erde ist angekommen. SIDC maß gestern zeitweise rund 815 km/s Sonnenwind. Das interplanetare Magnetfeld erreichte später 17 nT, Bz drehte zeitweise bis ungefähr −13 nT nach Süden.

NOAA gab eine G1-Warnung aus – der bislang ausgewertete höchste 3-Stunden-Kp blieb jedoch bei 3. Für die kommenden Stunden bleibt G1 möglich.

Unsere heutige Schumann-Aufnahme zeigt gleichzeitig A1 7,7 bei Kp 3, während die aktuelle Erdbebenübersicht bislang keine außergewöhnlich starken globalen Ereignisse zeigt.

Und genau deshalb ist dieser Tag interessanter, als eine Schlagzeile über „800 km/s Sonnenwind“ zunächst vermuten lässt.

Die Erde reagiert nicht auf einen einzelnen Zahlenwert.

Wir beobachten ein dynamisches System aus Sonne, Sonnenwind, Magnetfeld und Atmosphäre – und daneben weitere Systeme wie die Schumann-Resonanzen, die Seismik und unsere eigenen Wahrnehmungen.

Manchmal bewegen sie sich gleichzeitig.

Manchmal offensichtlich nicht.

Und vielleicht ist gerade das die wichtigste Beobachtung dieses Tages.

Sonne. Erdmagnetfeld. Schumann. Seismik. Und wir mittendrin.